Reflexion über das Scheitern

Worin besteht die Crux des Scheiterns, wohl hauptsächlich darin, dass wir eine Erwartung haben und diese enttäuscht wird. Nun ist es in den meisten Fällen sicherlich so, dass wir auch dann noch, so einer Erwartung hinterher eifern, wenn sich die Umstände schon zur Gänze gegen sie gewandt haben. Davor ist niemand gefeit, auch ich nicht, und dabei bin ich als pessimistisch veranlagter Mensch, doch schon eher vorsichtig mit meinen Erwartungen. Doch wie kommt es, dass auch der nüchternste Rationalist, der sich Emotionen nur im Zweifelsfall leistet, die Situation dann doch zu wenigstens 50% falsch einschätzt?
Für mich liegt das darin begründet, dass wir bei all unserer vermeintlichen Erkenntnis, doch die wesentlichen Zeichen der Umwelt, dahingehend falsch deuten, dass wir immer noch versuchen unsere Wünsche, in diesen Äußerungen, unter zu bringen. Nicht weil diese Art des Verfahrens sinnvoll wäre, wenn man ein Ergebnis abschätzen wollen möchte, nein, einzig um uns die Hoffnung auf Erfüllung aufrecht zu erhalten.
Das führt dann zu einem regelrechten verkriechen in einer Hoffnung, die wohl dem Organismus zu wieder laufen wird, denn was ist schlimmer als einem Ergebnis anhängig zu sein, dass unter realistischen Bedingungen niemals eintreten wird?

Dazu ein Zitat von einem sehr umstrittenen Geist: „(Gerade wegen dieser Fähigkeit, den Unglücklichen hinzuhalten, galt die Hoffnung bei den Griechen als übel der Übel, als das eigentlich tückische Übel: es blieb im Fass des Übels zurück).“ Friedrich Nietzsche, Der Antichrist, Kap.23

Es ist wohl nicht das Beste einen so krassen Pessimisten zum Thema des Scheiterns zu zitieren, aber was würde es uns von Nutzen sein, wenn wir uns wieder nur jene suchen würden, die uns in unserem Irrglauben unterstützen?
So bin ich dann auch gar nicht mehr, so verärgert über mich selbst, denn dieses Verhalten scheint dem Menschen so eigen, wie das Leben selbst. Da alles im Lauf der Dinge begriffen werden kann, ist auch Scheitern, ein Prozess der notwendig erfolgen muss. Nicht weil es eine besonders angenehme Annahme ist, sondern weil wir auch einen Kontrast zum Glück brauchen. Ohne jenen wäre das Leben wohl nur ein sehr wechselarmer Prozess, zwar reich an Ereignissen, aber arm an bewegenden Eindrücken. Denn das man an seinen Fehltritten lernt, oder es sollte, brauche ich nicht mehr zu erwähnen, dass ist wesentlich für unsere Entwicklung.
Ich kann es der Sache auch nicht absprechen, dass ich an dieser Stelle gerne einen Optimisten hören würde, aber leider ist mal wieder keiner da, der mir die Freude, einer kritischen Gegenargumentation erfüllen würde. So bleibt für mich nur meine eigene positivistische Schlussfolgerung zu ziehen und versuchen, der Sache auch noch etwas Erfreuliches abzugewinnen.
Denn der Begriff der Hoffnung ist nicht im Allgemeinen schlecht, nur wie ich finde etwas vorbelastet. Wir komme ich zu dieser Aussage, wohl deshalb, weil Hoffnung einem vieles geben kann, aber in der nachfolgenden kritischen Betrachtung, dieser Hoffnung, auch die Möglichkeit eines gravierenden Schadens zulässt. Schaden dann, wenn man sich so in etwas versteift, dass das komplette Denken und Handeln, in solch einer Form eingeschränkt wird, dass man zu keinen klaren und womöglich auch vernünftigen Schlüssen mehr fähig ist.
Hier sollte wir das ‚rechte Maß‘ finden, um uns darüber klar zu sein, wann es sich lohnt der Hoffnung nachzueifern und wann nicht? Hier gibt uns Aristoteles einen Weg vor, den er in der Tugendethik beschreibt, bei der es eben um dieses Maß der Sache geht. Leider lässt sich auch daraus keine hundertprozentige Verhaltensweise klar heraus folgern, aber sie zeigt uns im Wesentlichen eine Sache, erst wenn wir lernen, nicht alles unter dem Licht nur einer Ausprägung zu sehen(positiv oder negativ), sind wir im Stande unsere Hoffnungen und Emotionen, angemessen zu maßregeln.

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