Über den Verlust der Individualität

In einer Gesellschaft die in jedem Lebensfeld einen gewissen Mainstream etabliert hat, besteht der Wunsch des Einzelnen sich durch eine Individualisierung von den übrigen Menschen abzuheben. Doch wie kann dies erreicht werden, wenn sich das System bereits so weit ausdifferenziert hat, dass jede neue Richtung zugleich individual und doch schon wieder eine Mainstream-taugliche Subkultur darstellt?

Alle Güter, ob sie als Kleidung, Nahrung, Sportgeräte oder anderweite Lifestyle Produkte in Erscheinung treten, wurden auf eine bestimmte Art von dieser Gesellschaft hervorgebracht. D.h. wenn Individualität als „Einmaligkeit“ verstanden würde, ließe das nur eine sehr kleine Gruppe übrig, nämlich diejenigen die beispielsweise ihre Kleidung entweder selber erzeugen oder Kleidung tragen die jemand anderes für sie entworfen und produziert hat. Wenn diese Kategorie in Betracht gezogen wird, wären entweder die Reichen oder die Alternativen die letzten Individualisten. (Dies ist bewusst plakativ gewählt, um es etwas weniger abstrakt erscheinen zu lassen.)

Dies könnte ebenfalls dann zu kurz gedacht sein, wenn eine weitere Größe mit in Betracht gezogen wird, die Konsonanz. Mit diese lässt sich erklären, warum auch ein divergierender Phänotyp im Einzelnen dennoch Schlüsse auf die Zugehörigkeit im Allgemeinen zulässt. Es sind nämlich nicht alle Menschen so gravierend anders oder individuell, dass sie sich nicht zu einer Gruppe zusammenfassen ließen. Übrig bleiben wieder gesellschaftliche Subjekte, die zwar unterschiedlich auftreten, sich aber zu verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zugehörig fühlen, beispielsweise Manager/Banker.

Damit verlieren aber alle Mitglieder einer Gruppe den Anspruch auf Einzigartigkeit, da die Gruppe als solche die Unterschiede im Inneren aufhebt – was passiert aber in Abgrenzung zu anderen Gruppen?

Da es zwar keine exakt gleichartigen Gruppen gibt, müssten diese von diesem Standpunkt aus als einzigartig gelten, wenn das hingegen als Merkmal ausreichen würde, wäre automatisch jeder Individualist und somit niemand. Damit wäre aber nicht jenen Menschen geholfen – z.B. Künstler (Exzentriker) – die sich als Subjekte schon als unvergleichlich einstufen und unter keinen Umständen mit Ihresgleichen in einem Atemzug genannt werden wollen.

Folglich kann der Individualitätsbegriff nicht beim relativ allgemeinen Gruppenbegriff ansetzen, sondern wird auf das Subjekt zurückgeworfen. Welcher Bestandteil an einem Subjekt ist nun aber wirklich einzigartig? Sicherlich kann man gewisse körperliche Merkmale nennen, nur verändern sich diese nicht (stark) hinsichtlich der Lebenseinstellung – Völlerei führt zwar oft zu Fettleibigkeit ist aber auch ein Massenphänomen – Blinde lernen auch nicht aus der Überzeugung wieder sehen, weil sie sich abgrenzen wollen – deshalb ist dieser Ansatz nicht weiter von Belang.

Übrig bleibt in diesem Sinne eigentlich konsequenterweise nur noch die geistige Haltung. Doch wann wird jemals etwas wirklich NEUES gedacht? Es ist hier nicht gemeint, dass nicht jeder mit Fantasie ausgestattet ist und diese auch gebrauchen kann, sondern das eine neue Idee geboren wird die sich von allem anderen abhebt und sich im optimalen Fall womöglich auch auf das Erscheinungsbild eines Menschen irgendwie übertragen lässt. Wenn das so ist, müssten alle die die besonders viel und kreativ denken auch auf eine andere auffällig Weise einzigartig sein, dies scheint jedoch nicht der Fall zu sein.

Daraus kann geschlossen werden, dass geistige Vielfalt nicht einher geht mit visueller Auffälligkeit aber gleichzeitig kann einem besonders Auffälligen keine außerordentliche geistige Kompetenz zuerkannt werden.  Damit bleibt weiterhin unbeantwortet was Individualität ist und wo sie zu finden ist.

Es ist zwar nicht gesagt, dass sie es nicht gibt aber man erkennt auf der Straße auch niemanden der so aussieht, es bleibt wohl einzig und allein ein intrinsische Überzeugung irgendwie anders zu sein als alle Anderen. Nur was und wie sich dies äußert bleibt weiterhin verborgen.

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