Warum ist das mit dem Glücklich sein nur so verdammt schwer?

Der Gedanke der mich heute umtreibt, ist in seiner Gesamtheit betrachtet ein sehr trivialer, denn er stellt sich nur die Frage, wie werde ich glücklich?

Immer öfter beschleicht mich das Gefühl, dass genau folgender Satz maßgebend das Glücklich werden beeinflusst: „Beati pauperes spiritu.“[1] Man mag sich fragen wie ich darauf komme, dass Dummheit eine Voraussetzung für Glücklich sein ist. Dieser Frage auf den Grund zu gehen, dazu bedarf es eines kleinen Testszenarios, welches sich wünscht, repräsentativ zu sein.

Nun nehmen wir an, Jemandem aus der Unterschicht[2] wiederfährt das Glück, dass jemand kennen gelernt wird, der sich bei näherer Betrachtung, als Freund für mehr oder weniger intensive Stunden eignet. Diese Person besteht nicht darauf, dass sie geistig eine höhere Stufe der Existenz erreich, so wie es von Meditationen bekannt ist, sondern einzig, dass alles was jetzt im Moment im Focus liegt, so geartet ist, dass man sich kurzfristig darüber freuen kann. Ein mögliches Scheitern wird indes als ein irgendwie notwendiges Übel erachtet, was dadurch relativiert wird, da man bei geringen Ansprüchen ebenso schnell ein Substitut findet, wie wenn es nur darum ginge, welche Farbe das Grau des Himmels hat, in den man einen Kolben hineinschlagen wollte, um sich daran zu erhängen, einfach nur weil es der schönere Galgen ist.[3]

Dieselbe Szene jetzt mit einem Menschen bestückt, der mehr von der Welt möchte als einfach nur seine Gene zu replizieren, also so jemand wie ich. Eben noch eine wunderschöne Frau kennen gelernt, die aber nicht in der Lage ist, voll und ganz dem Bedürfnis des glücklich seins nachzukommen. Natürlich ist das soeben eine sehr egoistische Betrachtung, denn warum sollte sie auch mein Glück ermöglichen, wo sie doch um ihres streitet. Dieser Überlegung setze ich entgegen, wenn nicht so, wer fängt dann an mit Glück verteilen? Sicherlich wird auch hier der Eine oder Andere geneigt sein, mir vorzuhalten, dass ich doch mit den Synergieeffekten gut leben kann, sofern ich für andere Dinge andere Personen finde. Aber genau das ist es ja, warum ist es nicht möglich mit einer Person glücklich zu sein, warum benötigt ein so vielfältig gewachsener Geist, soviel mehr Zuwendung? Es ist fast so, als ob der Wahnsinn mit der zunehmenden Reflexion über die Welt, in das Leben eines jeden einzelnen tritt, angefeuert durch die Schlachtrufe der Erkenntnis. Doch wo bleibt in all diesen Weiten die Einsicht, von der Schönheit des Lebens?

Es ist fast so, als bliebe dem Pessimisten nur ein Zitat übrig:

Optimisten haben gar keine Ahnung von den freudigen Überraschungen, die Pessimisten erleben. – Peter Bamm

Das würde bedeuten, das Glück ist in unserem Falle, der Wimpernschlag in der die Überraschung zu Tage tritt und verfliegt womöglich, wenn wir sich nicht in Ketten unseres egoistischen Glücksstrebens legen. Keine schöne Vorstellung aber was soll ich auch sagen, wo der Himmel grau und die Innere Kälte durch meine Adern kriecht? Es ist fast so, als wollte der Tod in all jenen Momenten „Hello World!“ sagen, in denen das tiefe Glücksempfinden den Raum verlässt, fast so als ob sie beide nur eine unterschiedliche Seite der selben Medaille seien.

Wohlan meine Leser, wir können nur Hoffen das es nicht so ist, aber es spricht auch nichts dagegen das es so ist.

 


[1] Selig sind die geistig Armen. – Die Bibel, Neues Testament, Stuttgart 2006, S. 6

[2] Dieses Wort wird als Differenzierung gebraucht und meint lediglich, dass die Person eine kindlich naive Weltsicht hat, die eine Reflexion nicht oder nur sehr eingeschränkt zu lässt.

[3] Vgl. Gespräch Woyzeck mit Hauptmann, Kapitel: Straße von Georg Büchner

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