Beängstigende Ewigkeit

Alles beginnt mit eine ganz normalen Beziehung, Menschen treffen sich, leben und wohnen zusammen und werden irgendwann, wenn alles gut geht, miteinander alt. Dennoch beschleicht wohl niemanden der Gedanke an die Ewigkeit. Hier ist nicht die Ewigkeit im göttlichen Sinne, womöglich gar die Unsterblichkeit gemeint, sondern viel mehr die lang anhaltende Bindung an dieselbe Person. Sicherlich spricht vieles dafür, dass diese Überlegung einem wirren Geist entsprungen sein müsse aber kann man nicht die ewige Gleichartigkeit mit Monotonie, Stagnation und Stetigkeit vergleichen? Auf der anderen Seite ist es aber ebenso möglich von Sicherheit, Geborgenheit und Behaglichkeit zu sprechen. – Dazu die Gedanken von Benjamin Franklin „Those who would give up essential Liberty to purchase a little temporary Safety, deserve neither Liberty nor Safety.“

Warum also diese Schwermütigkeit in den Gedanken?

Vielleicht liegt es an der schwierigen Konstellation der modernen Denkansätze, die diese Schwermütigkeit unterstützen, denn welche Inhalte treten immer wieder in den Mittelpunkt? Immer wieder dominieren Begriffe, wie Entwicklung, Evolution und Streben nach Besserem im Fokus. An welcher Stelle ist da der Schnitt zu machen, zur althergebrachten Bindung an etwas? – Vielleicht liegt dies an den schon durch viele „alte Geister“ herausgearbeitet Probleme, denen sich niemand entziehen kann, wie der Ausspruch von Heraklit „Alles fließt“

Dieser Sachverhalt lässt sich beliebig erweitern und ergänzen, beispielsweise durch die Maßgabe: Es solle doch zwischen Menschen Monogamie herrschen, warum?

Die einzige wirklich treffende Antwort auf diese Frage, ist die Aufzucht von Nachwuchs. Für diesen ist es, aus entwicklungspsychologischen Gesichtspunkten, besser sich an nur einem oder zwei wesentlich an der Erziehung beteiligte Bezugspersonen zu orientieren. Davor und danach ist es nicht notwendig nur mit einem Partner sein Leben zu verbringen. Bei weiterer Betrachtung dieses Themas kann nur noch die wohl fast auf Null sinkende Ansteckungsgefahr mit Geschlechtskrankheiten genannt werden, dies ließe sich aber auch durch erhöhte Vorsicht bewerkstelligen, die mit gewissen Schutzmaßnahmen einhergehen. Damit klingt das Argument zwar plausibel, verliert aber zusehends an Biss.

Wenn also die Überzeugungen zum monogamen Leben einzig auf Sozialisierung beruht, warum sollte sich jemand daran halten? Richtig, es gibt nur einen Grund, weil es 99,99 Prozent machen und eine aktiv zu Schau gestellte andere Ausformung des eigenen Verhaltens, doch durchaus Ausgrenzung hervorrufen könnte. Es scheint sogar ziemlich sicher, denn wie heißt dich das sechste Gebot bei den Katholiken „Du sollst nicht ehebrechen“ nicht auszudenken, was dann bei unehelicher Polygamie droht.

Obwohl keine allgegenwärtige Gültigkeit einer wissenschaftlichen Erklärung greifbar ist, sollten sich (wohl eher müssen sich) alle an den Glauben, an die Richtigkeit eines Dogmas, halten. Klingt obskur, ist aber der ganz normale Wahnsinn in Gesellschaften. Wenn dann aber doch einmal wissenschaftlich fundierte Gründe aufgezeigt werden und die Obrigkeit (ganz gleich ob als Person, Gruppe, etc. ausgeprägt) diesen Sachverhalt für sich vereinnahmt, ignoriert sie doch das „Wertfreiheitspostulat“ nach Weber. Nachdem Wissenschaft nicht dazu dienen kann, Sollens-Sätze bzw. Gebote aufzustellen. Aber wen stört das schon wenn dafür die eigene Meinung, Glaube oder kurz Fundamentalismus dadurch gestärkt wird – richtig: Niemanden!

 

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