Der mp3-Player die ‚absolute‘ Befreiung der Neuzeit?

Es ist kein Geheimnis, dass die moderne, vollständig technisierte Welt, keine Leise ist. Überall dröhnt und scheppert es, sei es durch mechanische Teile oder Personen die ähnliche Gegenstände in solch einer Form verwenden. Aber selbst die Natur ist nicht „still“, der ganz normale Prozess des Lebens fordert seinen Geräuschpegel, überall zwitschert und trällert es, kurzum – nirgends ist Ruhe! Schlimm nur, dass nach einem hektischen Tag der sehnlichste Wunsch nach behaglicher Abgeschiedenheit und Seelenfrieden, durch irgendetwas jäh unterbrochen wird, sei es Tinitus, andere Menschen oder schlicht das Atmen der Welt.

Bei all den hier kurz beschriebenen Krawallmachern darf ein ganz bestimmter nicht fehlen, der mp3-Player. Aber nicht etwa, weil er als „Belästiger“ auftritt, auch wenn bei übermäßiger Lautstärke nicht nur der Nachbar genervt und das eigene Gehör geschädigt wird, sondern weil er Distanzen schafft, Räume eröffnet und eine Stimmung der meditativen Ruhe erst ermöglicht. Wie ist letzteres gemeint? Sicherlich, die Möglichkeit der Ruhe im Sinne der Stille ist schwerlich zu erreichen, dennoch entsteht eine wirksame Barriere gegenüber der Umwelt. Erst durch diese Distanz, die durch eine selbst gewählte musikalische Untermalung entsteht, ermöglicht es der mp3-Player, dass bewusste Sein gänzlich von der Realität abzukoppeln. Der Übergang in den Zustand der meditativen Ruhe ist erreicht.

In diese Phase, die meist buddhistischen Mönchen und anderen spirituellen Spezialisten vorbehalten ist, trete ich ein und entdecke mein Denken neu, ganz ohne intervenierende Variablen, wie dem Lärm von anderen Menschen und arbeitender Technik. Diese kurzen Momente erscheinen mir, wie ein kleines Stück des Paradieses. Die Kehrseite ist allerdings die Gebundenheit an die Leistung des Akkus, das Können der Künstler und die Qualität der übermittelnden Technik – vom Charakter her, wie Ying und Yang, ein ewiger Kreislauf. Erkauft wird die meditative Ruhe durch ultramobile Technik, die vor der omnipräsenten Anwesenheit anderer akustischer Reize schützen soll, was für ein Dilemma.

Fast könne man sich dazu hinreißen lassen, zu sagen, „ach wär doch nicht die Technik, dann bräuchte ich keine Technik, um mich vor dem Krach der Technik zu schützen“, doch auch wenn wir gern die Welt etwas leiser drehen würden, so wünschen sich doch vermutlich die wenigstens Menschen, in einer kleinen Raumstation auf einem Planeten zu leben, in deren Umfeld sonst kein Geräusch existiert. Warum? Vakuum leitet keinen Schall.

Auch wenn diese kurzen Gedanken an eine so wunderbare Erfindung genauso trivial, wie gegenstandslos sind, so beeinflusst mich diese technische Errungenschaft doch jeden Tag aufs Neue. Sei es in der Bibliothek, der Straßenbahn oder einfach bei einem Spaziergang durch Häuserschluchten oder Parkanlagen, immer ist ein kleines bisschen geistige Geborgenheit mit dabei, die Dinge entstehen und vergehen, doch ganz gleich was passiert und wohin es mich führt, immer habe ich ein gutes Gefühl dabei.

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