kino.to eine Streamingplattform zwischen den Fronten

Es ist kein Geheimnis, dass die Betreiber von kino.to eine ganze Menge Geld gemacht haben und das über viele Jahre hinweg. Als das System zusammenbrach stellte die Staatsanwaltschaft Dresden 2,5 Millionen Euro, Luxusautos und Hardware sicher. Doch wie konnte ein System zusammenbrechen, dass sich vorher jahrelangen, vollkommen dilettantisch geführten, Ermittlungen wiedersetzte? So etwas konnte nur geschehen, weil sich zwei Mitarbeiter, die noch dazu Eheparten sind, nicht mit ihren Gehältern von insgesamt 7500€ pro Monat zufrieden geben wollten. Anscheinend war hier NEID das einzige Motiv, denn warum sollten ein kleines „Rädchen“ im Getriebe nicht genauso viel verdienen, wie der „Kopf“ der Organisation?

Dieses Motiv lässt sich aber nicht nur hier ausfindig machen, es scheint der Grund für alle kleinen und größeren Leaks zu sein, sei es bei den wikileaks zugespielten Afghanistan Dokumenten oder bei der Überwachung von Schlecker und Co. Immer wieder zeigt sich, dass ein Unternehmen, dass auch zweifelhafte Aktivitäten, sei es moralischer oder rechtlicher Natur, lange genug ausführen möchte ohne ertappt zu werden, sich die größten Sorgen nicht etwa um die Ermittlungsbehörden machen muss, sondern um die eigenen Angestellten. Denn auch wenn ein „blindes Huhn mal ein Korn findet“, so gehen doch die größten Gefahren von den eigenen Reihen aus.

Damit ist kino.to ein weiteres Opfer von einem schon im 2. Golfkrieg (also dem Ersten, dem die USA „beiwohnten“) geprägtem Ausspruch „killed by friendly fire“ – was nichts weiter heißt, als „upps“, da war die eigene Kugel wohl zielgenauer als die des Feindes.

Die Zusammenfassung zeigt recht deutlich, dass oft fahrlässiges, bisweilen vorsätzliches menschliches Versagen, den Kern des Scheiterns begründet und das obwohl diese Gesellschaft schon weit fortgeschritten ist in ihrem Technisierungsprozess und so etwas eigentlich verhindern können sollte.

Das viel lustigere Element an dieser ganzen Debatte um kino.to ist allerdings die Tatsache, wie schnell die Nachfolgeplattform video2k.tv das Licht der Welt erblickte. Dieses Mal ganz ohne Werbung, wie hier das nötige „Kleingeld“ verdient wird, ist dem Autor indes schleierhaft aber nichts destotrotz dürfte auch diese Plattform wieder etwas schaffen, dass die ach so tollen Verwertungs-Parasiten-Gesellschaften nicht schaffen, ein Angebot auf die Beine zu stellen, dass sich am tatsächlichen Wert des Inhalts, bei kaum noch zu verzeichnenden Kosten, orientiert. Denn wer bezahlt für einen 5 Jahre alten Film noch 2-4€ pro Tag, der aus einer Online-Videothek ausgeliehen werden muss und danach nicht im Besitz des Nutzer verbleibt? Richtig, wahrscheinlich nur Menschen mit einem überausgeprägtem Gerechtigkeitssinn oder welchen, die keine Ahnung haben wie sie günstiger an den Content kommen.

Folgt man der Betrachtung und überlegt sich, mit welchen Wahlkampfslogans geworben wird, wie „mehr Netto vom Brutto“ und das auch noch für die unteren und mittleren Einkommensschichten, dann bleibt doch die Frage bestehen, warum hat sich das Konzept der „Kulturflatrate“ noch nicht durchgesetzt? Denn welche Gruppen sind hauptsächlich von den schon genannten Preisen betroffen? Genau diejenigen, denen die Politik immer verspricht sie zu entlassen und es famos schafft, es immer wieder zu vermeiden, genau das zu tun.

Angenommen eine Familie aus dem Prekariat oder gar eine studentische WG müsste circa 10 pro Monat, zusätzlich zum Internetanschluss, für die Kulturflatrate bezahlen, dann entstehen hier Kosten von günstigstenfalls 25€ pro Monat. Selbst wenn man davon ausgehen muss, dass es immer auch sogenannte „Power-User“ gibt, wird sich der zu erwartende Traffic doch irgendwann einpegeln. Das entkriminalisiert nicht nur viele aus diesen Schichten, denn nicht zuletzt Kinder und Jugendliche die schnell mal einen „Fehler“ im Internet begehen sind betroffen, sondern auch ihre Eltern werden in arge Bedrängnis gebracht, da diese für den Internetanschluss haften. Das zerstört Existenzen und schafft Sozialfälle, die dann nochmals Geld kosten, wohl gemerkt Steuergeld!

Das sieht irgendwie nach einer Win-Win-Situation aus und doch lassen sich weder Verwertungsgesellschaften noch Politiker darauf ein, vielleicht liegt das an der Tatsache, dass diese nicht von dem Problem betroffen sind oder schlicht der Tatsache, dass eine nicht zu unterschätzende Anzahl von ihnen auch mal Anwälte waren oder noch „aktiv“ sind, so ein paar Nebeneinkünfte aus Abmahnungen wegen Urheberrechtsvergehen, hat es zwar durch Politiker noch nicht geben, es würde den Autor aber wundern, wenn dies nicht eine der nächsten BILD-Schlagzeilen würde. Sollte diese Vermutung nicht eintreffen, so blieben immer noch die Lobbygruppen die mit nicht zu unterschätzenden Mitteln, eben diese Projekte, wie die Kulturflatrate verhindern.

Was bleibt, wenn alle diese Punkte zusammenfließen, übrig? Also außer der Tatsache, dass die bewusste Kriminalisierung an den Stellen, an denen sie vorliegt nicht notwendig ist? Vielleicht ja noch, dass die Lehren aus dieser Form der „Unterdrückung“ mit einem modifiziertem Urheberrecht und anderen Verwertungskonzepten, die sich an den tatsächlichen Kosten orientieren mehr dem Internetzeitalter annähern und nicht solche grotesken Streitereien entstehen, wie sie immer noch zwischen Youtube (google) und der GEMA stattfinden. Schließlich trägt diese Form der Lösungsverweigerung nur dazu bei, dass am Ende die Staatsanwaltschaft, die Gerichte und nicht zuletzt die Organisationen die auch an der Aufdeckung dieser Urheberrechtsvergehen mitwirken, ob erfolgreich oder nicht, Unmengen Kosten haben, die am Ende meist der Steuerzahler bezahlt. Dies wäre ein nicht zu unterschätzendes Einsparpotenzial, denn außer Menschen mit solchen „Beschäftigungstherapien“, wie sie HARTZ 4 Empfänger nur zu gut kennen, Geld mit offenen Händen zum Fenster raus zu schaufeln, könnte man es doch zum ersten Mal, in der Geschichte der BRD, auch mal sinnvoll einsetzen, oder nicht? Schließlich helfen garantierte Einnahmen, wie Steuern oder Flatrates, Planen und sichern die Gesamtunternehmung, warum also nicht mal etwas Sinnvolles wagen?

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s