Leben wir schon wieder in einer gleichgeschalteten Gesellschaft?

Der Anlass dieser Betrachtung ist so schockierend wie allgegenwärtig. Wir erinnern uns daran, dass nach den zwei großen Diktaturen (Nationalsozialismus und DDR) nie wieder eine vollkommen gleichgeschaltetes Volk existieren sollte. Ein wirklich hohes Ziel das sich die Politik da gesetzt und sicherlich auch versucht hat es umzusetzen – warum aber nur versucht? Die in die Formung eines Individuums einbezogenen Komponenten kann man ganz grob, wie folgt, darstellen: Eltern, Medien(-system), Bildungssystem, politisches System (medial vermittelt oder lokal erfahrbar). Wenn alle diese Elemente, die ja im Kern das demokratische System tragen sollen, den einen Punkt beherzigten – wenn du nicht gleichgeschaltet sein willst, dann lerne Denken – warum sind dann an unseren Universitäten so viele „Gleichgeschaltete im Denken“?

Dieser Punkt ist sicherlich eine schwer zu verdauende Behauptung aber im Kern soll hier der Beweis angetreten werden, diesen zu belegen. Ich behaupte, die Grundlage aller Entscheidungen lautet „Gehorche“ und nicht „Denke“. Wie ist dies gemeint?

Angefangen bei der Erziehung: hier vermitteln die Eltern den Kindern, wie die Regeln in der Familie verfasst sind und wie diese zu befolgen sind, andernfalls erfolgt eine, wie auch immer geartete, Strafe. Neben dieser Einhaltung der Norm ist aber noch viel Platz für persönliche Entfaltung und Wachstum der eigenen geistigen Verfassung. Dies geschieht nicht überall gleich optimal, da wäre das immer wieder gern zitiert Prekariat und auf der anderen Seite die Eliten, bei diesen scheint es besser zu laufen. Unterschreiben kann ich diese Aussage nach mittlerweile fünf Jahren Universität nicht mehr.

Aber weiter in der Abfolge: Medien. Ebenfalls sehr zugespitzt betrachtet, funktionieren sie nach der Werbeformel AIDA (Attention, Interest, Desire, Action), wissenschaftlich zwar widerlegt, nach Verkaufszahlen der Unternehmen zu urteilen auf ganzer Linie bestätigt, mehr oder weniger (wie in Krisenzeiten). Auch hier der Aufruf – das ist das was du brauchst, dass musst du kaufen – vom Ansatz her ein Befehlt der auf Gehorsam aus ist.

Unser Bildungssystem hat wohl den größten Anteil an der Konformität, wie es schon Mendel bei seinen Erbsenexperimenten beschrieb. Inhaltlich beruft sich diese Kritik auf die ständige Gleichförmigkeit der Anforderungen mit stets wechselnden Inhalten. Das meint konkret, dass durch die Selbstherrlichkeit der Professoren, die eigenen Theorien und Definitionen vorbeten zu lassen, der Fokus vom anwendungsorientiertem Arbeiten auf stumpfes Auswendiglernen reduziert wird. Das Ziel scheint es zu sein, aus Studenten dressierte Weltraumaffen zu machen (als Analogie zu Fight Club!), die nichts lieber tun, als blind die Knöpfe des eigenen Verderbens zudrücken ohne etwas zu reflektieren. Es möge vorgehalten werden, nicht jeder vermag in der knappen Zeit, bei den knappen Mitteln, alles zu reflektieren ABER ich entgegne, warum beginnt denn niemand damit es zu versuchen? – Denke nicht, Gehorche!

Übrig bleibt das politische System, dass alles bedingt und alles indirekt leitet und lenkt. Sicherlich ist es auch wieder alles stark vereinfach ausgedrückt aber es ist der Sache nicht abzusprechen, dass die Politik die Regeln des gesamtgesellschaftlichen Miteinanders bestimmt. Dabei wäre sicherlich auch entscheidend, durch welche Lobbyisten die Entscheidungen zustande kommen und ob ein anderer Weg nicht auch gangbar wäre, dennoch sind es Regeln die zur Not durch die Exekutive durchgesetzt werden, unumstößlich.  – Denke nicht, Gehorche!

In diesem Sinne stellt sich die Frage, wo soll ein Einzelner in diesem zirkelhaften System ansetzen, um etwas zu ändern? Gibt es in einem Staat voll Weltraumaffen überhaupt noch die Notwendigkeit etwas zu ändern, wenn sie nicht mehr wissen, wie sie sich ihres eigenen Verstandes bedienen sollen(als Analogie zu Kant, Was ist Aufklärung)? Gesetzt den Fall, wir begrüßten den Status Quo und hätten dennoch nichts dagegen, wenn sich jemand seines Verstandes bediente, wohin mit diesem? Wäre ein Denker nicht dann schon fast so etwas wie ein Prophet und dieser dann nicht so etwas wie ein Führer Kraft seines Charismas, wie Weber es beschreibt? Womit hatten wir noch in Deutschland immer solche Probleme, waren das nicht die einen oder anderen „Führer“, die die Menschen „nur für die gute Sache“ vereinnahmen wollten?

An dieser gesamten Darstellung wird deutlich, dass sich hier die Katze in den Schwanz beißt, denn vor der Frage, was wollen wir machen, steht immer noch die Frage, was wollen wir erreichen? Wer diese Frage für sich und andere, denen er womöglich vorsteht, nicht beantworten kann, wird den Prozess auch nicht zum Wohle Aller „an“leiten können. Wobei es auch eine Krux ist, dass Wohl Aller zu kennen, vielmehr ist gemeint, Anreize zu schaffen, vom Weltraumaffen weg und hin zum selbst reflektiert, denkenden Menschen zu kommen ohne gleich Revolution zu schreien!

Zurückblickend auf die ursprünglich gestellte Frage nach der Gleichschaltung ist es mir selbst schwerlich möglich dieser Behauptung nicht zu widersprechen, wohl aber sie zu relativieren. Es ist nicht so, dass niemand mehr Denken kann, es scheint nur so, dass niemand mehr Denken solle. Anders lässt sich das Bachelorsystem nicht verstehen und alles davor schon gleich gar nicht. Nach meinem Dafürhalten sind weniger die umfassenden fachlichen Kenntnisse das entscheidende bei der Durchführung von Studien und Experimenten (gerade das Leben ist Durchführung, Experiment und Studie in einem und das auch noch an sich selbst), sondern vielmehr die Fähigkeit flexibel mit neu hinzukommenden Veränderungen fertig zu werden und diese in einen sinnvollen Kontext zu bringen. Das kann aber nicht geschehen, wenn schon bei der Reflexion des Kontextes völlig versagt wird und nur rudimentär klar ist, was das ist, was da ist.

In diesem Sinne sollte entweder nicht jedem die Aufnahme an eine Universität gestattet werden oder aber ein einjähriges Praktikum vornan gestellt werden, bei dem es einzig darum geht Denken zu lernen.

Wie dem auch sei, bei all dem, scheinen, sollen, können, und wollen, hängt es doch an jedem Einzelnen was er oder sie mit der „göttlichen“ Gabe, des Denkens anstellt, dass uns ja von den Tieren unterscheidet (d.h. vielleicht, wenn die Amöben nicht aufholen).

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