Wenn Einer eine Reise tut…

Es trug sich zu, dass eine Reise anstand. Das Ziel: Der Besuch eines guten Freundes, als Mittel bot sich der Transport durch die Deutsche Bahn an. Als Reisender dieses Transportmittels sind Entbehrungen an der Tagesordnung, gewöhnlich lassen sich diese mit Verspätungen und versifften Zügen recht umfassend beschreiben. An Service wagt der geneigte Gast gar nicht erst zu denken, schließlich verfolgt dieses Unternehmen einzig das Ziel „des Transports mit möglichst wenig Aufwand“, leider durfte ich am heutigen Tage Zeuge sein, wie selbst dieses Minimum nicht mehr erfüllbar war. Das Problem lässt sich auf wenigen Zeilen umfassend charakterisieren, als „asoziale Veganer-Punks“.

Wie konnte ich das so genau wissen? Es war ja nicht nur, dass Ihnen unverwechselbare Äußere, dass es mir ermöglichte sie mit ihrer unverwechselbaren Ähnlichkeit, zu den an öffentlichen Plätzen und Bahnhöfen rumlungernden Subjekten dazu zu zählen, sondern auch der widerliche Gestank. Dieser bewegte sich stets auf einem Level zwischen körperlichen Ausdünstungen, dem komprimierten Wind billigen Bieres und all dies gepaart mit einem schwer beschreibbaren Ekel, der sich in allem widerspiegelte, was eine moderne Gesellschaft ausmacht – Hygiene.

Offenbar unfähig sich zu waschen, traktierten sie in diesem Zustand alle Anwesenden im Wagon, in diesem war es mir wie in einem Viehwagon zumute. Nun möge man mir vorhalten, als „Mann“ müsse doch ein Minimum an Überwindung für solch Zustände vorhanden sein, diesen Menschen möchte ich jedoch entgegnen: Meiner, mit mir reisenden, Freundin war es nach Kotzen zumute. Diese drastische Wortwahl ist bewusst auf eben jenen Moment abgestimmt, der zum schlimmsten der ganzen Reise avancierte.

Der glücklichste je erreichbare Zustand fand seine Vollendung, als sie ausstiegen und uns mit diesem Gefühl zurückließen, dass das keine Menschen sein konnten, allenfalls Tiere, denn nicht anders schien mir ihr Benehmen und Wesen. Noch kurz vor Verlassen des Zuges entbrannte, durch andere Mitreisende angeregt, eine heftige Diskussion über deren Lebenswandel. In diesem kurzen aber von enormer Lautheit geprägten Auseinandersetzung, artikulierten sie die Abneigung tierische Produkte zu verzehren und dass sie schon zwei Jahre so lebten, ohne an einem Herzinfarkt erkrankt zu sein oder zu können. Dafür wünsche ich ihnen aus tiefstem Inneren die Pest an den Hals, schade nur, dass sie so selten vorkommt, denn nur so ließe sich eine weitere Verseuchungen der Öffentlichkeit vermeiden.

Noch in Trance über diese unerhörte Begebenheit der abartigsten Art, schoss mir ein Gedanke in den Kopf, der wohl einen Jeden von uns bewegte: Wo war die Bahnsicherheit, also das Security Personal, dass den schwer zahlenden Bildungsbürger vor solchen Parasiten schützte? Schließlich ergab sich aus keiner Situation auch nur die Andeutung, dass diese Geißel der Menschheit auch nur einen Fahrschein gelöst haben könnte. In dieser Vermutung sah ich mich bestärkt, als der Schaffner noch nicht einmal die Anstalten machte, diese zu kontrollieren. Aus welchem Grund frage ich mich, wirft man dieses Gesocks nicht einfach aus dem (fahrenden) Zug – bei Frauen und Kindern schafften sie es doch auch? Bei Letzteren verwehrte man einer Mutter das Nachlösen einer Fahrkarte für ein Kinderfahrrad und in einem anderen Fall gehörte es scheinbar auch zum guten Ton ein Kind mitten in der Pampa einfach aus dem Zug zu werfen, weil es offenbar keine Fahrkarte dabei hatte.

Wo bleibt hier die Gerechtigkeit? Gehört es jetzt schon zum guten Ton sich an Schwächeren zu vergreifen und lässt dabei aber den Eiter der Gesellschaft gewähren? In Anbetracht dieser Lage frage ich mich, warum der Humanismus und die Großzügigkeit bei Gleichen nicht halt macht, bei Ungleichen aber kein Anzeichen zu erkennen ist, an gleichen Prinzipien festzuhalten, wie dem „Befördern nur mit gültigem Fahrausweis“?

Sicherlich ist dieser kurze Reisebericht von einem tiefen inneren Zerwürfnis geplagt, doch wenn ich Geld ausgebe, um in einem Personenzug zu reisen, will ich nicht in einem Viehtransporter enden!

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