Anleitung zur Bewertung ‚zweifelhafter‘ Theorien

Die Notwendigkeit einer Theorie, die einen Sachverhalt erläutern, erklären oder deuten soll, ist von unbestrittener Wichtigkeit. Das Ziel besteht immer in einem besseren Verständnis der lebensweltlichen Umstände, allerdings ist die Bestimmung ihres tatsächlichen Wahrheitsgehalts oft schwierig. Ein kurzer Abriss der Menschheitsgeschichte zeigt, dass Phänomene, wie Gewitter oder Überschwemmungen, je nach Kenntnisstand, als göttliche Eingriffe auf menschliches (miss-)Verhalten oder aber als einfache Naturzustände, die durch gewisse Bedingungen hervorgerufen wurden, einordbar sind. In Folge der Entwicklung der Wissenschaften gelang es immer mehr, der sogenannten, Mythen zu entkräften und anderweitig zu beschreiben. Dabei entspricht der Ablauf einem immer ähnlichen Prozess. Ohne Fakten, bleibt alles ein reiner Glauben an etwas „über“ uns. Je weiter die Ausräumung von Unstimmigkeiten fortschreitet, desto präziser beschreibbar das Phänomen. Mit der Position des kritischen Rationalismus, nach Karl R. Popper, muss jede Aussage falsifizierbar sein, um eine nachträgliche Präzisierung oder Revidierung einer Theorie zu ermöglichen. Die damit entstandene Qualifizierung der Erklärung fördert das Wissen darüber.

 Diese Herangehensweise ist jedoch heute so nicht überall explizit zu finden, da unter Annahme von mathematischen Grundannahmen, der Satz des Pythagoras auf alle Zeit als bewiesen angesehen wird. Das in jüngster Zeit aber dennoch Probleme dieser Art zu verzeichnen sind, zeigt die Betrachtung von Einsteins Relativitätstheorie und deren Wirkung auf die newtonsche Physik. Die Probleme um die Relativität der Zeit bestanden vorher nicht, allerdings sind heutige elektronische Geräte ohne diese Anpassungen nicht denkbar. Die damit eingeleitet Frage beschäftigt sich mit den sogenannten „Verschwörungstheorien“ und den, in diesem Zusammenhang, vorgetragenen „Fakten“.

Am Anfang steht, wie auch in der Steinzeit, die Theorie über „etwas“, dass nicht genau be-stimmbar ist. Ein populäres Beispiel ist 9/11 und die Frage „War es ein Inside-Job?“ Um diese Frage zu beantworten bedarf es Fakten. Von allen Seiten aus führen Befürworter und Gegner „Experten“ ins Feld, die mit Analysen und Experimenten versuchen Sachverhalte zu belegen. Unter der Annahme, dass nicht ein globales Ereignis alles erklärt, entsteht ein Puzzle, dass final nochmals von Experten einer Bewertung unterzogen wird. Allerdings verfügt jede Seite über genau das gleiche Repertoire an Spezialisten, die bei gleicher Ausgangslage zu vollkommen unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Wie ist das möglich?

Zuerst steht die Frage im Raum, was ist ein Fakt und wodurch ist dieser gekennzeichnet? danach folgen Fragen wie: Was macht einen Experten aus und ist dieser überhaupt in der Lage auf dem speziellen Gebiet eine kompetente Antwort zu geben? Ist ein Experte unabhängig und wenn ja, wie lässt sich dies definieren? Ist ein Schluss der aus einem Fakt gezogen wurde plausibel, wenn ja welche Prämissen führen zu diesem Schluss? Ist die genannte Prämisse wirklich angemessen oder gar unnötig oder ungenau? Basieren die vorgebrachten Ergebnisse auf Experimenten die sich verallgemeinern lassen oder entstehen durch „Hochrechnungen“ zu große Abweichungen? Welche Abweichung ist tolerierbar und wenn dies geklärt ist, wie kann diese bestimmt werden?

Der Fundus dieser Fragen macht eine Sache deutlich, ohne die Beantwortung all dieser Fragen, bewegt sich eine „Antwort“ lediglich im Bereich der „Mythen“ bzw. des Glaubens und löst unter keinen Umständen ein Problem für die Allgemeinheit. Da dies aber auch nicht immer zu leisten ist, werden manche Theorien in ihrer Letztbegründung scheitern müssen.

 

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