Die Geißel von Millionen Menschen: Urheberrecht

Aktuell geistern viele Nachrichten durch das Internet und die traditionellen Massenmedien, wonach sich Aktivisten für die Abschaffung des Urheberrechts aussprechen. Das geht soweit, dass sich extra zu diesem Zweck eine Partei gegründet hat – die Piratenpartei – die wiederrum dieses Problem gesellschaftsfähig gemacht hat. Wie kommt das? Es liegt auf der Hand, dass alle bisher dagewesenen Parteien, dass Internet eher als einen zusätzlichen Kanal für Wahlwerbung ansahen, als die Menschen, die sich dort bewegen ernst zu nehmen. Verschiedene Aktionen verdeutlichen dies, wie z.B. die berühmten Stop-Schilder der Zensursula, das Thema der Netzneutralität, der „Two Strikes“ Gesetzesvorschlag und die Diskussion über eine Klarnamenpflicht. Bei keinem dieser Themen ging es um Inhalte, sondern waren rein populistisch angelegt – man könnte es eine Kampagne aus „Angst und Schrecken“ nennen, wo jedes Nicht-Handeln einem Weltuntergang gleich komme.

Die Krönung erfährt diese politische Posse beim Urheberrecht, denn hier lassen sich USA sei Dank gleich noch ein paar stasiähnliche Gesetzesvorschläge und –initiativen nennen, die ihr Unwesen auch in Europa treiben. Die glorreichen Namen lauten: SOPA, PIPA und ACTA. Der eigentliche Zweck ist schnell erklärt. Mithilfe der Vorratsdatenspeicherung, die der Polizei bei der Erfassung von Straftätern nachweislich keinen Nutzen bringt, von dieser aber bis aufs Blut verteidigt wird, profitieren einzig die Anwaltskanzleien, die sich so ihre eigene Abmahnindustrie schaffen durften. Auch hier wieder ein Versagen der Politik, denn was unterscheidet „gewerbsmäßig“ von „nicht gewerbsmäßig“, wenn es (a) nicht definiert ist und (b) eine Kanzlei durch die freie Wahl eines Oberlandesgerichts, sich eben jenes aussucht, welches die verbraucherunfreundlichsten Entscheidungen fällt und so (c) jedes illegal heruntergeladene Musikalbum zum Schwerstdelikt deklariert?

Natürlich sind das alles Nachlässigkeiten im Namen des Volkes und da wundern sich Politiker, dass mehr direkte Demokratie gefordert wird? Allen Ernstes, wie naiv muss man sein, um nicht erkennen zu wollen, dass sich hier das Volk gegen eine Form der „Vettern-Gesetzgebung“ auflehnt, die ohne solch massive Verfehlungen gar nicht erst entstanden wären? Schließlich wird auch für den letzten BILD-Zeitungsleser klar, dass hier in besonderem Maße die Unternehmen bevorteilt werden und sich die Freiheitsrechte der Bevölkerung auf ein Bierdeckel großes Gebiet beschränken – dem Stammtisch.

Nach all diesen Vorbemerkungen, die jeder Bürger mehr oder weniger mitbekommt, stoßen aktuell auch die Verwertungsgesellschaften (GEMA, GVL, VG Wort) ins gleiche Horn. Gerade erst wurde der verhasste Feind kino.to aus dem Verkehr gezogen und medienwirksam abgeurteilt, schon versuchen sie über die Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ) neue Abgaben durchzudrücken. Um es noch präziser zu formulieren, nur weil sich auf einem Datenträger etwas urheberrechtlich Relevantes befinden könnte, existiert eine Standardabgabe auf alle aufgeführten Geräte und Trägermedien: Unterhaltungselektronik, Leermedien, Brenner, USB-Sticks, Speicherkarten, Festplatten, Mobiltelefone und komplett PCs. Und das „einfach so“!

Die Begründung ist einfach, die armen Urheber bekommen ja sonst kein Geld und müssen alle verhungern, dass trifft besonders auf diejenigen zu, die kaum etwas bedeutsames herstellen und sich auf dem Hartz4-Niveau befinden, von wo aus ein Protest, je lautstärker umso besser, die Glückseligkeit des Einzelnen befördern solle. Der Bürger stellt leider nur fest, dass die Preise steigen, die Qualität stagniert und er sich immer weniger von seinem knappen Lohn leisten kann. Keiner erfindet für ihn eine neue Einnahme Möglichkeit aber Abgaben wachsen dafür umso schneller. Das alles trifft nicht nur Eltern von Kindern und Jugendlichen, auch Studenten, die selbst über kaum Geld verfügen, weil sie entweder kein Bafög bekommen oder nur so viel nebenbei verdienen, dass irgendwo Abstriche unausweichlich sind, müssen sich entscheiden. Lieber einen digitalen Gegenstand vervielfältigen oder den nächsten Einkauf klauen – bei den meisten ist es sicherlich ersteres.

Das spüren auch die Kulturträger am eigenen Leib, auch hier wird gekürzt damit andere von Subventionen besser leben können. Und so wird alles immer teurer aber das Vermögen eines jeden Einzelnen steigt nicht im selben Maße. Dazu kommen dann noch Finanzkrisen und Inflation, die ihrerseits Geld auffressen und Sparguthaben vernichten – durch hausgemachte Probleme, wie die fehlende Überwachung der Börsen und die nicht bis kaum vorhandene Eindämmung von Spekulationen durch eine Finanztransaktionssteuer. Und dennoch wundert es noch jemanden, dass der Bürger kein ausgeprägtes Unrechtsbewusstsein aufweist, wo er doch nach allen Regeln der Kunst verarscht und benachteiligt wird?

Ein anderes Beispiel sind die gesperrten Videos auf youtube durch die GEMA, die eindeutig zeigen, wie weit wir uns von einem „Fair Use“ Prinzip entfernt haben, wofür sich so viele Menschen stark machen. Es bleibt bei der Dämonisierung durch die Verwertungsgesellschaften, die Jagd auf die „Raubmord-Kopierer“ machen und dabei übersehen, dass sie sich auch den Unwillen eines weniger zimperlichen Internetkollektiv „Anonymus“ auf sich ziehen – die rüpelhaften Robin Hoods des Internets. Sicher man sollte nicht alles für richtig halten, was diese tun, aber es verwundert auch nicht, dass es sie gibt. Schließlich kämpfen sie gegen Regierungen, die ihre Gräueltaten lieber nicht auf wikileaks lesen wollten und schon gar nicht, dass es der Rest der Welt ebenso macht.

All dies zeugt unweigerlich davon, dass das Internet eine andere Dimension haben muss, als sie sonst anzutreffen ist. Auch wenn es immer noch ein ungleicher Kampf ist, so besteht hier doch wesentlich eher eine Form von Transparenz die sonst schwerlich zu finden ist.

Was bleibt also? Es würde doch von Größe sprechen, setzte sich die Politik wenigstens dieses eine Mal für den Bürger ein und täte etwas Nützliches. Die Kulturflatrate sieht sich im Moment der Kritik ausgesetzt, dass es sich womöglich nicht jeder leisten könne und daher nicht realisierbar wäre, doch hier sollte die GEZ entgegen gehalten werden, denn da ist eine Befreiung auch möglich. Das solch ein System kommt, dürften aber Alle für ausgeschlossen halten, schließlich breche dies die Macht der Contentmafia und führte zu einer Entkriminalisierung von zig Millionen deutschen Staatsangehörigen.

Ein anderer Aspekt wäre es nach der Kostenentstehung zu fragen, muss ein Kinofilm so teuer sein? Bei einer üblichen 200 Millionen Dollar Produktion, wie Transformers 2, wird diese Frage ja erlaubt sein oder wie kommt es, dass auch für 500 000 Dollar Filme ins Kino kommen? Möglicherweise liegt dies ja am Diktat der Schauspieler, die so jegliche Gagen durchdrücken, ganz gleich welche Leistung schlussendlich übrig bleibt. Den Rest machen dann unzählige computergenerierte Effekte die ganze Serverfarmen für Monate oder Jahre auslasten und dies wiederum Unsummen an Geld verschlingt, nur damit eine neuer Film entsteht, dessen Handlung in drei Sätzen erzählt ist.

Dieser Mangel an Qualität kommt natürlich auch beim Bürger an und wird damit kommentiert, dass dessen nächste Weg erst einmal zu einem One-Click-Hoster, wie Rapidshare, führt oder eine BitTorrent-Seite, wie thepiratebay.org, besucht und erst einmal eine Sicht- und Inhaltsprobe durchführt. Doch schon dieser Sachverhalt stellt ein Straftat dar und das obwohl man eher Demo oder Qualitätssicherung dazu sagen müsste.

Alles in allem versucht der Bürger mit dem wenigen Geld das Beste daraus zu machen und das obwohl er überall durch Marketing und Werbung um das Wissen der nicht vorhandenen Qualität betrogen wird. Dennoch stört sich an diesem Sachverhalt niemand, schließlich geht keine Macht vom Volke aus, daher ändert sich auch nichts – Niemals!

2 thoughts on “Die Geißel von Millionen Menschen: Urheberrecht”

  1. „Es würde doch von Größe sprechen, setzte sich die Politik wenigstens dieses eine Mal für den Bürger ein und täte etwas Nützliches.“

    Und auch hier kommt es auf die Perspektive an!

    Wie sieht es nun mit einem armem „Bürger“ aus, der sich auf „Hartz4-Niveau“ befindet – vielleicht ein Student – und sich plötzlich und unerwartet als Urheber entpuppt?

    Vielleicht hat dieser „Bürger“ ein Buch geschrieben, um sich aus seiner misslichen Lage zu befreien, damit er nicht mehr täglich vor der Wahl steht, „einen digitalen Gegenstand [zu] vervielfältigen oder den nächsten Einkauf [zu] klauen“, weil er sich beides nicht leisten kann. Was ist, wenn dieser Bürger, der gleichzeitig auch Urheber ist, nun Profit aus seinem geschützten Werk ziehen möchte, damit es ihm künftig vielleicht besser geht? Und was ist, wenn das Urheberrecht nun nicht mehr existiert? Weil die Politik sich „wenigstens dieses eine Mal für den Bürger“ eingesetzt und „etwas Nützliches“ getan hat. Weil sich die Politik für den Bürger eingesetzt hat, für DEN Bürger, der lieber „einen digitalen Gegenstand“ vervielfältigt, als einen solchen zu schaffen und sich zu freuen, dass dieser – sei es ein Buch, ein Lied oder sonst irgendetwas – urheberrechtlich geschützt ist und ihm einen finanzieller Vorteil durch die Verwertung entstehen könnte.
    Für DEN Bürger ist die Abschaffung des Urheberrechts sicher super. Er kann zukünftig mit seinem geringen Budget viel mehr machen.

    Der Bürger, der gleichzeitig auch Urheber ist, wird sich sicher nicht darüber freuen, wenn das Urheberrecht abgeschafft wird und jeder mit seinem persönlichen geistigen Eigentum machen kann, was er möchte – vielleicht vervielfältigen und zum Kauf anbieten. Und weil DIESER Bürger gelernt hat, dass man nicht benutzt, was einem nicht gehört oder eben nur dann, wenn man die ausdrückliche Erlaubnis dazu erhalten hat, wird er auf Musik, Bücher und Sonstiges verzichten, damit er nicht dazu gezwungen ist, seinen nächsten Einkauf stehlen zu müssen.

    Oder, wie Johann Wolfgang von Goethe einst sagte: „Vom Verdienste fordert man Bescheidenheit; aber diejenigen, die unbescheiden das Verdienst schmälern, werden mit Behagen angehört.“

    1. Die ganzen Zeilen waren doch umsonst, denn an keiner Stelle wurde die Abschaffung des Urheberrechts gefordert, sondern lediglich eine „Fair Use“ Anpassung vorgeschlagen. Es kann nicht mein Wunsch sein es abzuschaffen, da ich im Web2.0 selbst Urheber bin aber ich renne nicht los jemanden verklagen nur weil er Passagen zitiert oder Inhalte verändert, um damit neue Werke zu schaffen. Es geht einzig um ein gerechtes Maß, was auch die Schwächsten unserer Gesellschaft nicht benachteiligt, denn das ist momentan nicht der Fall. Aus diesem Grund beschweren sich auch keine vom „Wohlstand gezeichneten“ über dieses Missverhältnis, sondern nur diejenigen durch deren Rücken unsere Gesellschaft getragen wird und deshalb ist es an der Zeit etwas zu ändern.

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