Spambook – oder wie Facebook den social Gedanken aufs Spiel setzt

Wer in diesen Tagen die Berichterstattung rund um Facebook verfolgt, dem schwant nichts Gutes, zumindest wenn er Aktien dieses Unternehmens besitzen sollte. Neben einem verminderten Wachstum der Benutzerzahlen, sind die selbigen in den USA erstmals rückläufig (ca. -1%). Welche Gründe mögen dazu geführt haben, vor allem wenn die zweite große Plattform google+ zum Vergleich herangezogen wird? Zu allererst scheint es rein objektiv betrachtet egal zu sein, welcher Datenkrake wir unsere kostbaren Informationen aushändigen, aber womöglich ist dies nicht der einzige Kritikpunkt. Nachdem herauskam, dass Facebook die Inhalte der persönlichen Chats analysiert, angeblich zur Verbrechensbekämpfung, kam in mir zum ersten Mal wieder dieses Stasi 2.0 Gefühl. Was sich, wie sich zeigen sollte, nicht so leicht abschütteln ließ, als abermals bekannt wurde, dass Facebook noch weiter in unsere Daten eingreift als bisher. Ab sofort werden Beiträge die ein User „liked“ unter Umständen bei einen seiner Freunde angezeigt und mit einem Posting des jeweiligen Seitenbetreibers verknüpft. Das ist nicht nur eine willkommene Einladung zum viralen Marketing, es kann einen Regimegegner auch den Kopf kosten – denn wer kennt schon alle Personen in seiner Freundesliste. Schließlich wäre da noch das ganz eigene Problem der „Unfilterbarkeit“ von Informationen, die in meinem Newsfeed erscheinen. Entweder ich blocke jemanden oder ich muss mir alles anschauen, was er von sich gibt – das trifft ebenso auf Fanseiten von Unternehmen zu. Immer wenn ich mich mal dazu durchringe, auf „Fan werden“ zu klicken, hoffe ich gleichzeitig, dass diese Seite doch bitte nicht so viel posten möge, da ich sonst keinen Überblick über meine andern Inhalte habe. Das scheint nicht gut gelöst zu sein, vor allem wenn man es mit dem Konzept von google+ vergleicht. Dort besteht über die Funktion „Kreise“ die Möglichkeit, die einzelnen Inhalte und Menschen zu gruppieren – eine Funktion, die Facebook erst nachträglich und nur sehr halbherzig implementiert hat – was den Überblick auch über viele Beiträge stark vereinfacht und einen Spamfilter, wie ich ihn mir streckenweise für Facebook wünschen würde, überflüssig macht. Dennoch vergleichen IT-Plattformen google+ immer noch gerne mit einer Geisterstadt, die zwar auch viele Millionen Mitglieder vorweisen kann, diese aber meist sehr selten eingeloggt sind und noch seltener Inhalte publizieren.

Ein weiteres Manko von Facebook und zu den Anfängen von google+ ist auch dort, die heimliche, bisweilen aber sehr offensive Aufforderung Menschen anzustiften, andere zu identifizieren, falls sich diese hinter einem Pseudonym verbergen. Ein weiterer Aspekt, der einen faden Beigeschmack, von Stasi-Methoden mit sich bringt. Anstiftung zum Denunzieren muss aber nicht einmal der einzige Weg bleiben, um eine bessere „Kundenkartei“ anzulegen, denn mit den zugekauften Unternehmen, die sich unter anderem auf Gesichtserkennung spezialisiert haben, wird im Hintergrund ganz unauffällig nach Verhaltensmustern und Identifikationsmerkmalen gesucht, um eine eindeutige Zuordnung „zweifelsfrei“ zu ermöglichen.

Was kann man tun, außer so wenig wie möglich von sich preiszugeben und damit den Gedanken des sozialen Netzwerks vollkommen ins absurde zu ziehen? Für wahr eine gute Frage, die jeder mit sich selber ausmachen muss und eventuell schadet es auch nichts, sich einmal die Konkurrenzplattform google+ anzuschauen, um mal ein Gefühl dafür zu bekommen, wie rückschrittlich das so gehypte Facebook doch ist.

Schlussendlich sei jedem geraten, ein gesundes Verständnis dafür zu entwickeln, was mit seinen Daten passiert. Schließlich ist das neue Meldegesetzt nicht unser einziges Problem – auch, die trotz Ablehnung in Kraft getretenen neuen Datenschutzrichtlinien auf Facebook zeigen, dass die Macht die Regeln diktiert und nur selten ein Aufbegehren etwas verändert.

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