Kapitalismus braucht keine Moral

An und für sich ist schon alles gesagt, allerdings wird sicherlich jemanden das Warum interessieren. Doch zuvor möchte ich meinem Leipziger Professor danken, der hier Aufklärungsarbeit geleistet hat: Prof. Dr. Hartmut Elsenhans.

Im Grunde basiert die Überlegung darauf, dass in grauer Vorzeit, als der Tauschhandel noch blühte, nicht nur die Frage bestand, was man tauschte, sondern auch mit wem. Das heißt im Prinzip, dass jemand der nicht in den gesellschaftlichen Rahmen passte, in seiner Entwicklung zurückblieb und keinen Vorteil aus der Errungenschaft der Arbeitsteilung und Spezialisierung ziehen konnte. Bezögen wir dieses Verhalten auf die heutige Zeit und billigten eine gewisse Vereinfachung, dann ergäbe sich eine vollkommene Instabilität des Systems. Das beste Beispiel ist der Wachstumsmarkt in China. Trotz der ungeheuren Gefahr durch Produktpiraterie hat sich die Meinung durchgesetzt, dass China besser für den Gewinn ist, als ohne. Eine Konsequenz aus der allseits geforderten Moraldebatte um den Turbokapitalismus sähe hier doch vor, von diesem Markt Abstand zu nehmen, da die Missachtung der Menschenrechte ein großes Problem darstellt. Doch warum gerade zieht niemand die Notbremse und zwingt dem Geld die Moral auf?

Genau an dieser Stelle vollzieht sich der Wandel vom Tausch- zum Geld- und Warenhandel am besten. Da einem Stück Geld nichts weiter inne wohnt, als der Wert dem ihm die Handelspartner zuweisen, kann es im Umkehrschluss auch für nichts anderes stehen, schließlich ist es austauschbar und besitzt keine Individualität. Zwar besteht dennoch die Möglichkeit eines Abbruchs der Handelsbeziehungen aus persönlichen Motiven, doch spielt dies in unserer globalisierten Gesellschaft nahezu keine Rolle mehr, da fast alle Güter über das Internet bestellbar sind und das ohne, dass jemand weiß, wer das Geld überweist. Darin besteht doch gerade der Vorteil der Egogesellschaft, niemand muss sich mehr um seinen Charakter kümmern, da auch so alle Güter verfügbar sind und das ist ein riesiger Vorteil – der Grad der Freiheit nimmt zu!

Genau an dieser Stelle frage ich in die Runde der Moralapostel: Wollt ihr wirklich so einkaufen gehen, dass ohne euren Moralitätsindex kein Geld einsetzbar ist? Denn in diesem Fall stünde auch der Ablasshandel nicht zur Disposition, da auch hier das Geld vorher fließt. Damit wärt ihr wieder gefangen in einem Dilemma ohne Wiederkehr, denn wenn der Index einmal negativ ist, muss davon ausgegangen werden, dass nur noch zwielichtige Gestalten von euch Notiz nehmen und ihr so nie wieder Aufsteigen könntet. Im Extremfall erzeugt eine positiv gemeinte Handlung sogar ein negatives Ergebnis und wollt ihr dann mit dem Moralindex darum feilschen, nach welcher Moralkonzeption eure Handlung bewertet wird? Wer einmal den Schritt dieser Beliebigkeit geht, nur um bestmöglich dabei dazustehen, verliert gleichzeitig den Anspruch andere Menschen zu belehren, da Willkür genauso gut ist, wie der Verzicht auf Moral.

Ihr seht also, dass bei genauer Betrachtung ein gewisser Vorteil darin liegt, dass Geld so ist wie es ist und nicht anders. Daher mein Aufruf an die Generation der Wutbürger und Weltverbesserer: Wenn es wieder um den Kapitalismus geht, einfach mal die Fresse halten!

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