Ein Mediensklave packt aus…

Im Medienzeitalter müsste ein engagierter Absolvent, eben dieser Fachrichtung, doch einen reißenden Absatz seiner Arbeitsleistung finden oder irre ich da? Wahrscheinlich, denn die bisherigen Erfahrungen zeugen eher von einer Art „Helfers- wenn nicht sogar Sklaventätigkeit“ als von einer vollwertigen Beschäftigung. Wobei vollwertig ist die Beschäftigung für den Sklaventreiber, welcher sich Unternehmer nennt, schon, nur eben nicht für einen Angestellten wie mich. Rückblickend fällt es mir ebenfalls schwer die Universität meines Vertrauens für diesen Missstand verantwortlich zu machen, schließlich wollen sie ja auch nur ihre Hörsäle mit willigen Statisten füllen, um auch noch im nächsten Jahr ein paar Euros für Bildung und Forschung überwiesen zu bekommen. Schließlich misst das Kultusministerium die Universität zwar auch nach einem Exellence-Maßstab, aber eben leider hauptsächlich nach puren Immatrikulationszahlen, sodass solche „Medien sind toll, studiert etwas Überflüssiges“-Parolen allenfalls ärgerlich und unaufrichtig, keinesfalls aber böswillig einzustufen sind. Nichtsdestotrotz hilft diese Erkenntnis meiner jetzigen Situation recht wenig, da das „Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, wie man so schön sagt. Was bleibt ist eine Bestandsaufnahme…

Aufstieg auf Probe

Während meines Studiums hatte ich immerhin das Glück, die andere Seite der Macht einmal näher kennenzulernen und war erstaunt. Schließlich ermöglichte mir eine Lokalredaktion der größten deutschen Tageszeitung ein ansehnliches Einkommen, welches einen durchschnittlichen Stundenlohn von 11€ aufwies. Meine Aufgaben zeichneten sich auch nicht gerade durch unmenschlich schweißtreibende Arbeit aus, schließlich bestand sie hauptsächlich aus ein bisschen Photoshop und Content Management, welches im Online-Bereich ein notwendiges Übel darstellt. Alles in allem ein ruhiges Leben, aber eben auch von wenig Anspruch gekennzeichnet, so dass ich weitersuchte. Auf der anderen Seite blieb mir auch keine andere Wahl, da diese Stelle ausschließlich für Studenten ausgeschrieben war und ich mittlerweile meinen Abschluss in der Tasche hatte.

Sozialer Abstieg als Folge des Studiums

Nach vielen Irrungen und Wirrungen über den weiteren Verbleib meinerseits im beschaulichen Leipzig, welches ich aus persönlichen Gründen erst einmal nicht verlassen konnte, blieb nur der steinige Weg der Parktika übrig. Für sich betrachtet sind sie nichts Schlimmes – meint man anfangs! Die Erfahrung kuriert alle romantischen Träume aufs Härteste und zeigt einen Weg auf, der allenfalls als steiniger Pilgerpfad beschreibbar ist. Natürlich will jeder Ausbeuter, dass ein Absolvent ein gratis Praktikum absolviert, daraus macht niemand einen Hehl. Schlimmer wiegt allerdings eine andere Unverschämtheit, die an Unhöflichkeit ihres gleichen sucht und so gegenwärtig, wie die Armut in der dritten Welt, ist, den Mangel an Rückinformationen über die Entscheidung der eigenen Bewerbung darstellt. Die Quintessenz lässt sich immerhin auf eine einfache Formel kürzen: Wer nicht umgehend eine Meldung über den weiteren Ablauf bekommt, der kann sich als abgeschrieben ansehen. Rückmeldungen erfolgen meist nur bei aufkeimendem Interesse, verpuffen aber umgehend, sobald ein besserer Bewerber verfügbar ist. Dieses Prozedere geschah mir in dem Jahr meines Abschlusses schon so häufig, dass ich aufhörte zu zählen und mich darüber zu ärgern. Immerhin sei es, nach einer Statistik, normal, dass ein Absolvent, zum Beispiel der KMW, bis zu 24 Monate auf eine geeignete Stelle warten müsse, bis dahin erfreut man sich eben am sozialen Abstieg und Hartz IV.

Die Verhandlungsmacht: Arbeit? – eine Farce!

Ganz gleich warum einer nun abgelehnt oder gar nicht erst kontaktiert wird, es geht viel zu häufig ums Geld oder weil jemand anderes besser ist und es für weniger macht. Damit wird die von Marx propagierte Verhandlungsmacht der Ressource Arbeit vollkommen ad absurdum geführt, da es viel zu viele gibt, die sich gratis verdingen. Andererseits hörte ich auch von Freunden, dass es sich oft gar nicht lohnte, bestimmte Agenturen oder Verlage anzusteuern, da diese mit ihrem Geschäftsmodell ebenfalls am Rand der existenziellen Not rangieren, aber weiterhin auf „Werkstudenten“ setzen, um ja niemanden von Kompetenz und angemessenem Gehalt auf eine Stelle setzen zu müssen.

Was ist angemessenes Gehalt?

Diese Frage beschäftigt mich schon eine halbe Ewigkeit, immerhin verriet mir eine Arbeitsvermittlung, dass es durchaus realistisch ist, ein Jahres-Brutto von 30.000€ zu erzielen, wenn den jemand eine „volle“ Stelle besetzte. Alles was rund um Praktika, Volontäre und wie sie alle heißen, rumdümpelt, da solle man sich keine Illusionen machen – das kann ich bestätigen, da sind  13.500€ brutto weit verbreitet und das obwohl ich studiert habe. Aktuell scheint einzig der IT-Sektor eine lohnenswerte Alternative zu sein, alles andere versinkt in der Bedeutungslosigkeit. Nur ist IT nicht gleich IT – auch hier betrifft es wieder nur Programmierer oder Administratoren die sich mit verschiedenen Client- und Serversystemen auskennen und dazu über mehrjährige Berufserfahrung verfügen.

Das Thema: Berufserfahrung

Eine weitere Besonderheit im Mediensegment ist die Berufserfahrung, die je nachdem welchen Tätigkeiten jemand im privaten Umfeld nachgeht, sich schwerlich messbar gestalten. Ob sich da jemand in einem Unternehmen in Deutschland für einen Klout-Score interessiert, welcher eine Auskunft über die Vernetzung im Social Web gibt oder Projekte überprüft die in der Vita aufgeführt wurden, kann ich nicht nachvollziehen – eine Vermutung beschleicht mich jedoch: Ich glaube das einzig Unternehmenserfahrungen inklusive Arbeitszeugnis von Belang sind, da diese die „nötigen Rückschlüsse“ erlauben. Diese Erfahrungen ließen sich ja leicht zusammentragen, schließlich sind wir ja die Generation Praktikum, nur an dieser Stelle greift die schon beschriebene Einstellungsproblematik. Ein Unternehmen stellt prinzipiell nicht unter drei Monaten ein, dass Arbeitsamt akzeptiert hingegen nur ein einmonatiges unentgeltliches Praktikum, was scheinbar die Voraussetzung ist, um überhaupt die Vorrunde zu überleben und den Recall zu erreichen. Ein Teufelskreis, der sich scheinbar nur durch ausreichend Glück durchbrechen lässt, denn um Können scheint es hier schon lange nicht mehr zu gehen. Bitter!

Und dann soll man noch optimistisch in die Zukunft blicken?

Wenn ich mir überlege, dass ich heute selbst mit meiner einfach Ausbildung zum IT-Systemkaufmann weiter hätte sein können und das ohne das immer wiederkehrende auswendig lernen, was die Kommunikations- und Medienwissenschaft im Innersten zusammen hält, dann macht sich doch einiges an Verstimmung breit. Mal ganz zu schweigen von der Bafög-Rückzahlung und dem Leben, welches sich ein jeder doch irgendwann einmal aufbauen möchte – oder nicht? Alles was bleibt, ist abwarten und auf Chancen warten oder weg ziehen und mit dem was man bisher gesammelt hat, weiter zu kommen.

Schlussendlich erinnert mich diese Struktur aber insgesamt noch am ehesten an moderne Sklaverei, bei der eine Leistung, wenn überhaupt, dann allenfalls unzureichend bezahlt wird und jede noch so kleine Aufwendung mit speichelleckender Dankbarkeit zu feiern ist. Womöglich bilde ich mir ja auch nur ein, etwas zu leisten und das einzige was mir bleibt, ist ein Abriss über das Elend, das am Ende der schlimmsten Fehlentscheidung meines bisherigen Lebens zu stehen scheint.

be continued…

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