Von Einem der auszog, die Wissenschaft zu retten

Nachdem Schavan zurückgetreten ist, entbrannten im Internet, auf den großen Newsplattformen, heftige Debatten über die Rechtmäßigkeit solcher Abläufe. Schließlich hörte man nicht allzu selten die Worte Denunziation und Verjährung. Diese beiden Begriffe nennt der aufgebrachte Mob gern in bunter Vermengung und ohne Abgrenzung. Die einzige Triebfeder scheint hier darin zu liegen, sich über die gefühlte „Einseitigkeit“ zu echauffieren, ohne dabei die Google-Suche für einige Sekunden zu fragen, wer denn schon alles überprüft wurde. Nachdem dieser Eifer des ersten vor Wut schäumenden Stammtisch-Bürgers nachlässt, springt schon ein nächster in die Bresche, um alte Vorurteile wieder aufleben zu lassen. Denn neben der angenommenen Einseitigkeit, mit der die Dissertationen ausgewählt sein mussten, schließt sich sogleich die angesprochene Verjährungsfrist an. Der O-Ton mutet dabei wie folgt an: „Haben wir denn keine anderen Probleme in Deutschland, als das wir jemanden wegen des Abschreibens verfolgten und um seine Zukunft brächten?“ Diese durchaus berechtigte Frage zeigt nur in welchem Dilemma sich die Wissenschaft befindet. Denn auch wenn damals noch nicht die aktuellen Bologna-Reformen und Kürzungen die Universitäten zerstörten, so fehlt dennoch nicht selten das Personal, um dem gewaltigen Aufkommen Stand zu halten. Eine weitere Zwickmühle gilt der Reputation der jeweiligen Universität, daher handelt diese doch im Zweifel „Für die Universität“ und das durchaus zügig, wenn nicht sogar überhastet. Da wäre es doch günstig, hätten sie das Geld einen wissenschaftlichen Mitarbeiter für solche Plattformen wie VroniPlag abzustellen, um so nicht erst aus der Springer Presse über den nächsten Gau ihre Informationen beziehen zu müssen. Wenn schon das nicht der Fall ist, warum existiert aktuell weder eine unabhängige Prüfinstitution, welche den einzelnen Universitäten die Verantwortung abnimmt? Das liegt wohl ebenfalls am Föderalismus, wie die schon längst überfällige Reform des Schulsystems bis einschließlich des Abiturs. Wer kann schon annehmen, dass einheitliche wissenschaftliche Standards plausibler sind als ein einheitlich zentral verwaltetes Schulsystem, welches eben solch eine Vorbildung ebenfalls umsetzen könnte, bestände der Wunsch wieder zu einer fortschrittlichen Forschernation, wie zu Humboldts und Heisenbergs Zeiten aufzuschließen. Aber weit gefehlt, schließlich ist einvernehmliches Hetzen im Netz einfacher als sich Gedanken über die einfachsten Sachverhalte zu machen, wie die Frage, ob ein gestohlener Gegenstand nur deshalb in meinem Besitz verbleiben darf, weil es lange niemandem aufgefallen ist. In Bezug auf Kunstraub haben hier die Menschen sicherlich auf einmal andere Vorstellungen, auch wenn sie hier einen einfacheren Bezug herstellen können. Aber wer will ihnen diese Form der eindimensionalen Weltsicht auch groß verübeln, schließlich spricht man auch von „Raubkopierern“, ohne dass es etwas mit der Form der Entwendung des Eigentums zu tun hätte, denn ein gewaltsames Entwenden findet hier nicht einmal im Ansatz statt.

Und eben an diesem Punkt der Erörterung fällt der Gedanke auf Trennschärfe und Abgrenzung der Sachverhalte, die eben vorgebracht wurden. Richtig ist, dass die aktuelle Berichterstattung vor allem die Regierung im Auge hat; ebenso aber auch das auch andere Politiker der Opposition untersucht wurden; weiterhin wird der Betrug nach der Verjährung nicht mehr strafrechtlich geahndet, sondern nur noch formal im Sinne der Aberkennung des Titels. Wichtig sollte unserer Gesellschaft diese Form der Basisdemokratie allemal sein, schließlich zeigen diese kleinen Beispiele, dass das Volk der Politik doch nicht komplett hoffnungslos ausgeliefert ist und es Chancen der Emanzipation gibt. Dass die Wahrnehmung möglicherweise einseitig ausfällt, liegt nicht zuletzt an der Fallhöhe der einzelnen Träger der verschiedenen Ämter und deren Verhalten. Wer sich vorher künstlich erhöht oder durch Fremdschämen auf die Dramatik dieser Sache in einem Maße aufmerksam macht, sollte im Umkehrschluss nicht mit Klage drohen, die der eigenen Unfähigkeit geschuldet ist und das Ergebnis mit der nötigen Größe hinzunehmen. Schließlich muss nicht alles in einer bedingungslosen Kapitulation enden, wenn ein Frieden in Einsicht in die Notwendigkeit nahe liegt.

2 thoughts on “Von Einem der auszog, die Wissenschaft zu retten”

  1. Umso wichtiger ist es, dass hier nicht wieder irgendwelche Probleme weich gespült werden, sondern hart und konsequent durchgegriffen wird😉 Verdient haben es die Betrüger auf alle Fälle.

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