Mit Unverschämtheit-on-Demand wird alles besser

Wie teuer und undurchsichtig darf in Deutschland Unverschämtheit sein, wenn sie doch on-Demand zu kaufen ist? An und für sich sollte alles so einfach sein Anbieter aussuchen, Film-/Paket wählen, Geld bezahlen und schon fahren die HD-Inhalte auf der Datenautobahn in den heimischen PC oder SmartTV – doch weit gefehlt. Alles beginnt mit der entscheidenden Frage, welcher Anbieter soll es sein und warum?

Um die Dramaturgie richtig einzuschätzen genügt ein kurzer Blick über den großen Teich, wo im Wesentlichen zwei Marktteilnehmer den Großteil der Bevölkerung mit Streaminginhalten abdecken. Die Rede ist von Netflix und Hulu, die für deutsche Kunden aber nicht nutzbar sind, da hier eine IP-Abfrage den Standort des Nutzers bestimmt und nur US-amerikanische IPs akzeptiert. Der Grund für diese Form der Nutzerbeschränkung hat hauptsächlich mit Lizenzen zu tun, welche von den Filmstudios regional vergeben werden. Daher sind in Deutschland andere Vergütungsmodelle nötig, als in den USA. Gleichzeitig steht es jedem Anbieter frei allerlei Vereinbarungen mit den Lizenzgebern zu treffen, umso entweder exklusive Angebote zu offerieren oder besondere Preiskonditionen zu bieten. Durch die Vielfalt am Angebotsmarkt und die lange überfällige aber nicht eintreffende Konsolidierung eben dieses Marktes, eröffnet sich dem geneigten Konsumenten ein wahres Chaos, was nicht selten dazu führt, dass eine falsche Entscheidung gefällt wird.

Die Möglichkeiten eröffnen sich schon bei der Wahl, ob es ein Anbieter sein soll, der DVDs oder Blu-Rays zuschickt oder diese streamt. Beim Streaming ergibt sich sofort die Unterscheidung zwischen den jeweiligen Endgeräten, wie PC, SmartTV, Konsole, Set-Top-Box oder sonstigen Medienplayern. Nicht alles lässt sich mit allem nutzen und so zieht die Verwirrung immer weitere Kreise. Wer diese ersten Probleme überwunden hat, fragt sich sicherlich unweigerlich nach den nun anfallenden Kosten und muss wohl gleich den nächsten Schock verkraften, denn auch hier sind die Preismodelle weder einheitlich noch besonders einfach vergleichbar und gratis sind sie bis auf eine Ausnahme (http://www.netzkino.de/) schon gleich gar nicht. Das machen Netflix und Hulu besser, denn bei ersterem bezahlt der Kunde umgerechnet 6 Euro im Monat für einen unbegrenzten Zugriff, während Hulu bei gleichen Konditionen komplett werbefinanziert ist. Und in Deutschland? Bei Maxdome, Deutschlands selbsternannter größter Videothek, bleibt auf den ersten Blick unklar, was das maximal Paket für 19,99 Euro vom Paket für 14,99 Euro unterscheidet, welches mit den gleichen Konditionen wirbt. LoveFilm von Amazon muss an dieser Stelle positiv erwähnt werden, diese bieten für 6,99 Euro ebenfalls den Vollzugriff auf alle Video-on-Demand Inhalte an – sehr löblich.

Nach der Wahl des Anbieters und des Bezahlmodells folgt die nächste Ernüchterung stehenden Fußes und offenbart sich in Form der Formatauswahl. Wer dachte, HD sei immer 1080p und in 3D wird mit einiger Verwunderung feststellen, dass diese Aussage allenfalls ein grober Richtwert für die Anbieter darstellt, nicht aber grundsätzlich immer und überall der Fall ist. In den Fußnoten finden sich Anmerkungen die darauf verweisen, dass die Bandbreite des Internetanschlusses ausreichen muss, sonst würde automatisch auf 720p oder gar SD-Qualität gewechselt. Wie groß die Bandbreite unterdessen mindestens für 1080p sein muss, kann nur grob geschätzt werden, als plausibel stellte sich während des Tests eine Übertragungsrate von mindestens 10 MBit/s heraus. Darunter existieren durch die nötige Komprimierung beim Streaming zu viele Artefakte, die sich in kleinen Blöckchen und Unschärfen zeigen. Da stellt sich unweigerlich die Frage, ob sich hier Streaming überhaupt lohnt oder ob sich die zweite Variante, der Post-Verleih nicht besser eignet. Über diesen Weg erhält der Kunde eine DVD oder Blu-Ray nebst Rückumschlag und kann sich den Film innerhalb des angegeben Zeitraums so oft anschauen und im Freundeskreis weiterverleihen, wie er möchte. Ein weiterer Vorteil des Post-Versands, welcher sich nicht wesentlich vom einfachen Ausleihvorgang bei der Videothek in der Nähe unterscheidet, besteht im Umfang des Video-/ Ton- und Bonusmaterials. Bisher gehört nämlich meist nur der Film in deutscher Sprache mit Stereo-Ton zum Video-on-Demand-Angebot und vergrault damit natürlich alle Besitzer von 5.1-Anlagen und aufwendigen Heimkinosets. Wer die Filme lieber in original Sprache oder gar mit Untertiteln sehen möchte, die gerade für Hörbeeinträchtige Menschen unverzichtbar sind, könnte auch gleich mit Lotto spielen anfangen, da diese Konditionen zu Anfang keinesfalls offensichtlich auf den Anbieterseiten zu finden sind. Immerhin sind die Angebote meist monatlich kündbar, was das Risiko einer Fehlentscheidung wieder relativiert.

Die schlussendlich zu stellende Frage beschäftigt sich allerdings weniger mit den Angeboten selber, sondern mit der Überlegung, ob die Filmindustrie mittels dieses Plattformen eine Möglichkeit gefunden hat, dass illegale Downloaden aus dem Internet zu unterbinden? Anhand der hier vorgestellten Probleme und Ungereimtheiten muss diese Frage selbst im besten Fall verneint werden. Anbieter mit einem umfangreichen Angebot zu günstigen Preisen, welches sich gleichzeitig auf allen mobilen und Heimkino-Endgeräten nutzen lässt sucht man leider vergebens. Wann und ob ein Transformationsprozess nach dem Muster der Musikindustrie einsetzt und damit dem Nutzer mehr Mündigkeit zugestanden wird, bleibt eine Zukunftsfrage und Kaffeesatzleserei.

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