Die Zukunft des Lesens: Buch vs. Ebook

Kindle Paperwhite und Hanvon N256 als Alternative zum gedruckten Buch?

Das Buch behauptet sich als Medium für gedruckte und damit zeitlos verfügbare Informationen schon seit mehreren Jahrhunderten und bekommt mit den elektronischen Lesegeräten erstmalig Konkurrenz. Das besondere dieser Ebook-Reader liegt in ihrer Bauweise, die einem traditionellen Buch nachempfunden wurde. Gleichzeitig verbinden sie eine einfache Verfügbarkeit dieser Inhalte mit langen Akkulaufzeiten und einem dem Papier ähnlichem Bildschirm. Nie war es einfacher eine so große Anzahl aktueller, fremdsprachiger und klassischer Literatur auf nur einem Gerät von wenigen Hundert Gramm mit sich zu führen. Amazon geht hier in einer Art voran die bisher beispiellos geblieben ist, da sie ein Maximum an Komfort bei gleichbleibend geringen Preisen bietet und dieses Angebot mit einem fortschrittlichen Lesegerät wie dem Kindle kombiniert. Dabei vermisst der Nutzer keine Eigenschaften, die dieser auch von einem normalen Buch her kennt, denn Lesezeichen, Markierungen und  sogar eine Ausleihfunktion gehören zum Standard. Allerdings beschränkt Amazon den Kindle und daher existieren noch weitere Geräte am Markt die über ähnliche Ausstattungsmerkmale verfügen. Ein gutes Beispiel ist der Hanvon WISE Reader N526 den ich bei Pearl für rund 60 Euro erworben habe. Da ich auch einen Kindle Paperwhite testen konnte tritt dieser zum Vergleich an.

Hintergrund der Ebook-Entwicklung

Digitale Lesegeräten wie dem Kindle wird eine rosige Zukunft attestiert und das obwohl die Buchpreisbindung hier als größte Bremse wirkt. Dieses Relikt stammt noch aus dem Jahr 1888 und gibt vor, dass Verleger den Endpreis für alle Buchverkäufer einheitlich festlegen. Leider gilt dieses Gesetz auch für die Ebooks, sodass ein Hype bisher ausblieb. Denn neben dem Lesegerät für 50 bis 70 Euro fallen noch die Gebühren für die Bücher selbst an. Für Buchkäufe über Amazon bedeutet dies, dass ein aktuelles Taschenbuch wie zum Beispiel Shades of Grey für 13 Euro erhältlich ist, es aber als Kindle Ebook nur 3 Euro günstiger vertrieben wird. Dieses Preismodell zieht sich durch alle aktuellen deutschen Werke aus der Belletristik, und zeigt damit die Zwickmühle der Ebook-Reader. Einerseits überzeugen sie mit geringem Gewicht, langer Laufzeit und einer Crossplattform-Nutzung und andererseits bewegen sich die Anschaffungskosten und Ebook-Preise auf einem Niveau, bei dem man sehr viele Lesen muss, um einen Kostenvorteil gegenüber dem traditionellen Buch zu erhalten. Natürlich existieren auch hier wieder Ausnahmen die als Gemeinfrei bezeichnet werden. Das aktuelle Urheberrecht sieht in Deutschland Schutzfristen von 70 Jahren ab dem Tod des Autors vor. Danach können diese frei kopiert und in anderer Art und Weise weiterverarbeitet werden ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen. Die Gemeinfreiheit betrifft damit die Werke alle großen Schriftsteller der Vergangenheit und diese wiederum stellt Amazon auch seinen Lesern kostenfrei als Ebook zur Verfügung. Getreu dem Motto, wonach es keine Kosten verursacht eine digitale Kopie zu erstellen, leisten sie indirekt einen kulturellen Beitrag gegenüber dem Allgemeinwesen. Schließlich kann jeder Smartphone- und Computerbesitzer die Kindle-App herunterladen und somit auf die Kindle-Bibliothek zugreifen – ein kostenfreies Konto bei Amazon genügt. Aufgrund von gesetzlichen Unterschieden sind andere Länder in Bezug auf Bücher und Ebooks deutlich attraktiver. Großbritannien und die USA verkaufen das Eingangs genannte Werk für durchschnittlich den halben Preis und das sowohl als Taschenbuch als auch für den Kindle, allerdings nur in englischer Sprache.

Amazon für andere Ebook-Reader nutzbar machen

Es heißt zwar wer einmal bei Amazon war, wird schwerlich davon je wieder los kommen und irgendwie stimmt das auch ABER es gibt auch eine Möglichkeit bei Amazon zu bleiben und auch wieder nicht. Dafür bieten sie eine Software an die „Kindle für den PC“ heißt und einen ähnlich komfortablen Zugriff auf die Amazon-Bibliothek gewährleistet. Gemeinfreie Werke sind dort ohne Kopierschutz aber im Kindle eigenen Format AZW zu haben. Diese liegen dann unter dem folgenden Pfad auf dem PC vor: C:\Users\Benutzername\Documents\My Kindle Content Ab diesem Zeitpunkt kann natürlich nur ein Kindle etwas damit anfangen, daher installieren wir „calibre 64bit – E-book management“ was uns den ganzen Konvertierungsaufwand abnimmt. Nach kurzer Einrichtungszeit besteht nun die Möglichkeit per Drag&Drop die AZW-Dateien in das Menü von calibre zu ziehen und sogleich in EPUB oder ein vergleichbares Format umzuwandeln. Wenige Sekunden später ist dieses Ebook bereit zum Transfer auf den Ebook-Reader.

Technikcheck

Die Unterschiede zwischen einem Ebook-Reader und einem Tablet mögen auf den ersten Blick kaum auffallen, sind aber gravierend. Den wesentlichen Unterschied macht dabei das verbaute Display aus, welches im Falle des Ebook-Readers mit einem dem Papier nachempfundenen E-Ink-Pearl-Panel arbeitet. Dieses verfügt über keinen von selbst leuchtendenden Aufbau und eben so wenig über eine Bildwiederholrate von 50 oder 60 Hertz, wie sie bei LC-Panels üblich ist. Hier macht sich das Vorbild Buch am stärksten bemerkbar, dem die E-Ink-Technologie folgt. Zur dauerhaften Anzeige eines Textes benötigt ein Ebook-Reader nur einen einzigen Bildaufbau der dann eine belieb lange Zeit so angezeigt werden kann. Strom verbraucht das Gerät erst bei einem neuen Seitenaufbau, sodass hier extrem lange Laufzeiten von einem Monat und mehr möglich sind. Der Trick hinter diesem Verfahren verbirgt sich in den einzelnen Pixeln die zur Anzeige nötig sind. Diese unterscheiden sich in schwarze negativ geladene und weiße positiv geladene Teilchen. Beim Anlegen von Strom richten sich diese aus und verharren in dieser Position bis ein neuer Steuerungsimpuls gesendet wird. Aufgrund der Bauweise lassen sich so keine Filme oder Animationen abspielen und selbst das Surfen macht nur bedingt Spaß. Um dem Umstand der nicht vorhandenen Beleuchtung entgegen zu wirken verbauen Amazon und Co. Lichtemitterdioden (LED) in diesen Bildschirmen die einen seitlichen Lichteinfall ermöglichen und somit das Auge nicht direkt anstrahlen. Dieser Vorgang ist vergleichbar mit einer indirekten Beleuchtung die auf Oberflächen ebenfalls keine Spiegelungen hinterlässt. Um das Licht entlang des Bildschirms zu verteilen, werden kleine durchsichtige Kunststoffröhrchen genutzt, die von außen nicht sichtbar sind. Glücklicherweise kostet die LED-Beleuchtung nur sehr wenig Strom, sodass weiterhin hohe Laufzeiten garantiert sind.

Was macht Hanvons N526 anders als Amazons Kindle Paperwhite?

Kindle Paperwhite WISE Reader N526
Größe 169 mm x 117 mm x 9,1 mm 153 mm x 112 mm x 12 mm
Display 6 Zoll, 212 ppi, 16 Graustufen, 1.024 x 758 Pixel 5 Zoll, 200 ppi, 8 Graustufen, 800 x 600 Pixel
Gewicht 222 Gramm (3G) 213 Gramm (WLAN) 200 Gramm
Konnektivität 3G, WLAN /
Speicherplatz 2 GB + unbegrenzt Amazon-Cloud-Platz 4GB per micro SD-Card (max. 32GB)
Besonderheiten Multi-Touch-Display, Beleuchtung Audio-Player, Stift-Eingabe, Tastatur

Wie man an den Daten sieht spielen beide Geräte in einer vollkommen anderen Liga dafür spricht schon der Preis des Kindle Paperwhite mit 3G von 189 Euro gegen die rund 60 Euro des N526. Allerdings kommt letzterer mit einem Stecker-USB-Netzteil, einem USB-Kabel, Kopfhörern und einem Kunstleder-Etui. Bis auf das USB-Kabel darf man diese Dinge bei Amazon alle separat dazu kaufen.

Leseeindruck und Laufzeit

Der erste Eindruck bestätigt meine Erwartungen, auch wenn es vom technischen Standpunkt Unterschiede gibt, so liefern doch beide Geräte einen sehr guten Leseeindruck. Auch wenn das Kindle Paperwhite über eine Beleuchtung verfügt und damit auch bei widrigen Lichtverhältnissen ohne eine externe Beleuchtung auskommt, so lässt sich dieses Feature beim N526 leicht kompensieren. Eine Leselampe zum Befestigen ist schon für wenige Euros erhältlich und entschädigt somit für den fast doppelt so hohen Preis des Konkurrenten. Bei der Laufzeit existieren ebenfalls Unterschiede, so soll der Kindle Paperwhite 2 Monate ohne Strom auskommen, während der N526 nur 15 Tage durchhält. In meinem Fall bewegen sich beide Größen in einem akzeptablen Rahmen. Jedoch muss ich hier noch einige Langzeittests durchführen, um ein abschließendes Urteil zu fällen.

Zukunftsaussichten

Glaubt man den Statistiken erreichte der Ebookverkauf 2011 etwa 5 Millionen Exemplare, die im Jahr 2012 mit rund 12 Millionen verkauften Einheiten sehr deutlich übertroffen wurden. Erste Hochrechnungen vermuten für 2013 circa 16 Millionen verkaufte Titel. Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass sich der Buchmarkt in einem Umbruch befindet. Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass das gedruckte Wort auf Dauer verschwindet, schließlich liegt der Anteil der Ebooks am Gesamtbuchmarkt bei gerade einmal 1 bis 2 Prozent. Allerdings könnte gerade eine Anpassung der Preise für die elektronischen Medien den Verlagen weitere Zuwächse bescheren, um mögliche Schwankungen im Taschenbuchverkauf auszugleichen. Spannend bleibt die Entwicklung auf alle Fälle, da das Lesegefühl, wie der Autor bestätigen kann, dem eines Buches in nichts nachsteht. Einzig das repräsentative zur Schau stellen in Bücherwänden oder die Abwehr von übereifrigen Zeitgenossen bleibt nach wie vor die unangefochtene Hochburg des Buches. Darüber hinaus lassen sich prachtvolle Einbände und reichhaltige Verzierungen der Buchseiten nicht digital transportieren, sodass sich die künstlerischen Stücke nie dem Ebook beugen müssen.

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