Für ein Praktikum bekommt man keine Rente

So klar und einfach diese Aussage anmutet, so wenig konsequent wird etwas dagegen unternommen. Auch wenn die SPD neuerdings “sozial” wirkt, bleibt der Mindestlohn doch nur ein Krüppel, denn es gibt ja noch die unzähligen Ausnahmen, die auch die Studenten treffen.

Lehrlinge, Praktikanten und Ehrenamtliche: Keinen Anspruch auf den Mindestlohn gibt es für Lehrlinge, Ehrenamtliche und Praktika im Rahmen von Schule, Ausbildung oder Studium sowie sechswöchige Praktika zur Berufs- oder Studienorientierung. Für Praktika nach Ausbildungs- und Studiumsabschluss muss der Mindestlohn gezahlt werden.

Theorie trifft Praxis – passt aber irgendwie nicht!

Ein Beispiel für die Unsinnigkeit dieser Einschränkungen ist folgende Konstellation, die bestimmt nicht zu selten auftritt. Wenn ein Student vorher eine Ausbildung gemacht und abgeschlossen hat, dann muss theoretisch Mindestlohn für ein Praktikum bezahlt werden. Da sich aber Unternehmen an die billigen Praktikanten zwischen 0 und 400 Euro gewöhnt haben, dürfte die Wahrscheinlichkeit weiter sinken einen anständigen Praktikumsplatz zu bekommen oder aber die zu leistende Arbeit während des Praktikums ähnelt noch mehr einer Vollzeitarbeitskraft.

Praktikum = Vollzeit-Stelle für gratis

Beide Entwicklungen sind heute schon sichtbar, denn nicht selten entspricht ein Praktikum einer sechsmonatigen Vollzeit-Stelle, die aus Kostengründen entweder nicht als solche ausgeschrieben oder gleich komplett eingespart wird. Das Unternehmen tritt dafür dem Bewerber als “Gönner” entgegen und appelliert an das Gewissen, die vielen möglichen Erfahrungen und die Entwicklungsoptionen des Aspiranten. Wie eine Aspirin im Wasserglas solle dieser seine feste Form verlassen, um sich als feine Emulsion ins System zu begeben, um dort den Kater der Unfähigkeit zu lindern, der sich durch dauerhafte Praktikantenbeschäftigungsverhältnisse eingebürgert hat.

Praktika als Chance der Professionalisierung zu entgehen

Wie selten diese Form der Beschäftigung Früchte trägt, zeigt sich nicht selten darin,wie effektiv ein Unternehmen auf diesem Praktikumsgebiet funktioniert. Sicherlich besteht immer die Chance, dass frisch aus der Uni kommende Studenten auch großartige Ideen mitbringen, einer Professionalisierung steht solch ein Glückstreffer allerdings entgegen. Da diese Problemsituation den meisten Praktikantenschändern klar ist, setzen diese in Auswahlverfahren auf umfassende Vorkenntnisse für die jeweilige Stelle, die man am besten mit Praktika nachweisen solle.

Merkt wer schon was?

Richtig, es wird immer mehr gefordert für 8,50 Euro pro Stunde oder weniger und dann wundern sich die Verantwortlichen in der Politik, warum wir zum Beispiel immer höhere Ausgaben für die Bildung benötigen – das Bafög muss ja auch wer bewilligen und vorstrecken. Würden jetzt aber alle Menschen die in Deutschland die Staatsbürgerschaft haben, IMMER mindestens 8,50 Euro pro Stunde verdienen, würde dies zwar einen Anstieg der Kosten für bestimmte Dienstleistungen und womöglich auch Güter bedeuten aber gleichzeitig sollte es vermeidbar sein, dass diese Teuerung proportional geschieht. Gemessen an den verbrannten Steuergeldern für unsinnige Vorhaben wie den Flughafen BER bestünde die Möglichkeit in einem Übergangszeitraum, die Verkaufspreise von Lebensmitteln und anderen existenziellen Gütern zu stützen.

Subventionen für ein Happy End?

Spätestens wenn sich die Binnenwirtschaft nach zwei bis fünf Jahren an den bedingungslosen Mindestlohn gewöhnt hat, wäre es womöglich sogar relativ einfach umsetzbar, sich von diesen Subventionen wieder zu trennen. Gemessen an den gewaltigen Exporten, die Deutschland jedes Jahr ausweist, wäre es doch auch mal schön Binnenwirtschaftsweltmeister zu werden. Jedoch glaube ich eher, dass unsere Regierung dazu übergeht, Praktikanten zu exportieren als wirklich etwas an den herrschenden Zuständen zum ändern.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s